Wettbewerb „Mein Gutes Beispiel“ 2015

Rückblick auf den Wettbewerb und die Preisverleihung

Mittelständische Unternehmen werden für herausragendes gesellschaftliches Engagement ausgezeichnet

v.l.n.r.: Hans Theodor Wegener, R&M Wegener Headwear GmbH & Co. KG, Franz-Josef Bütfering, Verein Beckumer Industrie e.V., Patricia Hoepp, GAG Immobilien AG, Liz Mohn, Bertelsmann Stiftung, Hans Peter Wollseifer, Zentralverband des Deutschen Handwerks, Klaus Peter, Peter Backwaren OHG, Dirk Stocksmeier, Unternehmen für die Region e.V., Elmar Lieser, GAG Immobilien AG, Angela Papenburg, Unternehmen für die Region e.V.,Kirsten Hirschmann, Unternehmen für die Region e.V., Lutz Frischmann, Unternehmen für die Region e.V.

Der Verein Unternehmen für die Region, die Bertelsmann Stiftung und der Zentralverband des Deutschen Handwerks haben in Berlin vier herausragende Projekte gesellschaftlichen Engagements mittelständischer Unternehmen ausgezeichnet. Die Preisträger des Wettbewerbs „Mein gutes Beispiel“ erhielten am Montagabend ihre Urkunden aus den Händen von Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung. Weiterhin wurden die Leistungen von fünf Finalisten gewürdigt.

Bundesweit hatten sich 181 Projekte beworben, 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Zu den eingereichten Themen gehörten das Engagement für Kinder und Jugendliche, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Förderung sozialer Aktivitäten von Auszubildenden ebenso wie  der Schutz der Umwelt. Bei der Auswahl der Preisträger richtete sich die Jury nach folgenden Kriterien: Langfristigkeit des Projektes, Einbringung unternehmerischer Kompetenz, Kreativität, regionale Nähe, Zusammenarbeit mit Partnern sowie die Übertragbarkeit auf andere Regionen.

Liz Mohn gratulierte den Repräsentanten der ausgezeichneten Unternehmen und unterstrich die Bedeutung des gesellschaftlichen Engagements im Mittelstand. „Verantwortungsvolles Unternehmertum hat eine lange Tradition in Deutschland. Zukünftig wird es noch mehr darauf ankommen, innovative Lösungen mitzugestalten, die Mehrwert für unsere Gesellschaft haben. Die Projekte der Preisträger und Finalisten zeigen dies bereits eindrucksvoll.“

Der Vorstandsvorsitzende des Vereins Unternehmen für die Region, Dirk Stocksmeier forderte, gesellschaftliches Engagement im Mittelstand stärker wertzuschätzen: „Die zahlreichen „Guten Beispiele“ beweisen, dass sich viele mittelständische und familiengeführte Unternehmen in den unterschiedlichsten Bereichen engagieren. Oftmals sprechen sie bisher nicht darüber. Wir möchten mit unserem Wettbewerb dieses Engagement würdigen, sichtbar machen und andere Unternehmen zur Nachahmung anregen.“

Preisträger Sonderpreis Handwerk: Peter Backwaren OHG aus Essen

Preisträger des Sonderspreises Handwerk Klaus Peter, Geschäftsführer Peter Backwaren OHG aus Essen mir Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

Seit 2005 unterstützt die Peter Backwaren OHG jeden Monat ein wichtiges soziales Projekt in einem Essener Stadtteil. Dabei handelt es sich um Projekte, die wertvolle Arbeit leisten, aber aufgrund finanzieller Engpässe vor einer ungesicherten Zukunft stehen. Den Monat über verkauft Bäcker Peter im Fachgeschäft des jeweiligen Stadtteils (in dem das soziale Projekt verortet ist) ein Spezialprodukt in seinem Sortiment. Die Einnahmen aus dem Verkauf dieses Produkts gehen zu 100 % an das soziale Projekt des Stadtteils. Zum zielgerichteten und zweckgebundenen Einsatz der Gelder begleitet die Peter Backwaren OHG die sozialen Projekte bei der Umsetzung. „Bäcker Peter für Essen“ findet jährlich zehn Monate von Februar bis November statt. Seit 2011 wurde das Engagement des Handwerksbetriebs um „Bäcker Peter für Bottrop“ erweitert. Bisher konnten durch das Projekt mehr als 80 Projektträger (Kindertagesstätten, Schulen, Jugendgruppen, Kirchengemeinden, Altenheime etc.) in über 70 Aktionsmonaten in fast allen Essener Stadtteilen unterstützt werden. Die Gesamtspendensumme des Projekts „Bäcker Peter für Essen“ beläuft sich derzeit auf mehr als 80.000 Euro.

Preisträger: R&M Wegener Headwear GmbH & Co. KG aus Lauterbach

Als einer von vier Preisträgern erhält Hans Theodor Wegerner ( Geschäftsführer) für die R&M Wegener Headwear GmbH & Co. KG den Preis aus den Händen von Liz Mohn

R&M Wegener Headwear ist ein vorbildlicher Familienbetrieb, welcher sich durch langjähriges Engagement aus Tradition für Umwelt und Gesellschaft auszeichnet. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts, in der Hochphase der Industrialisierung, errichteten die Firmeninhaber für die wachsende Zahl an Mitarbeitern und deren Familien Wohn-unterkünfte. Darüber hinaus entstanden für die Mitarbeiter eine Badeanstalt, ein Kindergarten und eine Sparkasse. Das Unternehmen setzt sich für einen schonenden Umgang mit der Umwelt und den Ressourcen der Erde ein. Aus diesem Grund gewinnt R&M Wegener Headwear Strom aus erneuerbaren Energien und nutzt hierzu bereits seit 1885 eine Wasserturbine, später folgte eine Photovoltaikanlage. Diese produzieren über 400.000 Kilowattstunden Strom im Jahr und decken somit den Eigenbedarf für Produktion und Verwaltung des Betriebs sowie zusätzlich den Jahresverbrauch von rund 200 Privathaushalten ab. Zusätzlich unterstützt R&M Wegener Headwear regelmäßig lokale und regionale Schulen. Den Bildungseinrichtungen werden hochwertige Baseballmützen mit individueller Stickerei günstig überlassen, sodass diese sie als Merchandise mit hoher Gewinnspanne weiterverkaufen können. Auf diese Weise werden Spendengelder für verschiedene Schulprojekte generiert.

Preisträger: GAG Immobilien AG aus Köln

Als einer von vier Preisträgern erhalten Elmar Lieser (Abteilungsleiterin Sozialmanagement) und Patricia Hoepp (Mitarbeiterin Sozialmanagement) der GAG Immobilien AG aus den Händen von Liz Mohn

Seit 2011 organisiert die GAG Immobilien AG in Kooperation mit Querwaldein e.V. in mehreren ihrer Kölner Wohnsiedlungen ein vielseitiges Bildungsangebot rund um das Thema „Gärtnern in der Großstadt“. Das Angebot richtet sich speziell an Kinder und Jugendliche vor Ort, es ist offen für alle und kostenfrei. Jeder Gartenclub verfügt innerhalb der Wohnsiedlung über eine eingezäunte Grünfläche. Einmal wöchentlich treffen sich alle interessierten Kinder und Jugendlichen gemeinsam mit Pädagogen des Vereins Querwaldein, um zusammen Beete anzulegen, Insektenhotels zu bauen und andere Aktionen zu planen. In einem natürlichen Umfeld machen die Teilnehmenden unmittelbare Lern- und Selbstwirksamkeitserfahrungen und erwerben nachhaltig wirkende Handlungskompetenzen. Nebenbei bieten die Gartenclubs auch Raum zum Zusammenkommen.  Kinder aus unterschiedlichen Familien und mit unterschiedlichen Hintergründen treffen bei dem Projekt aufeinander und spielen gemeinsam. Auf diese Weise können Vorurteile abgebaut werden und ein offener Umgang miteinander wird gefördert. Seither entstanden durch das Projekt insgesamt sechs Gartenclubs in Köln. Für 2015 sind drei weitere Clubs geplant.

Preisträger: Verein Beckumer Industrie e.V. aus Beckum

Als einer von vier Preisträgern erhält Franz-Josef Bütfering Vorsitzender und Sprecher des Vereins Beckumer Instustrie e.V. den Preis aus den Händen von Liz Mohn

Der 2001 gegründete Verein Beckumer Industrie e.V. ist ein Verbund von 16 Industrieunternehmen der nordrhein-westfälischen Stadt Beckum. Gemeinsam beschäftigen die Unternehmen allein in Beckum mehr als 5000 Mitarbeiter. Über 300 Ausbildungsplätze bieten auch jungen Menschen vielseitige berufliche Perspektiven. Das Projekt „Beckumer Azubis engagiert“ startete im November 2011. Beckumer Azubis der 16 Industrieunternehmen setzen sich seitdem unternehmensübergreifend für das Gemeinwohl in der Stadt ein und unterstützen dabei besonders Kinder und Senioren vor Ort. Das Engagement der Auszubildenden reicht dabei von Betriebsbesichtigungen und Museumsbesuchen, über Sanierungen von Spielgeräten bis hin zu gemeinsamen Veranstaltungen wie z.B. ein Bobrennen mit Beckumer Schülern 2013. Ziel des Vereins „Beckumer Industrie“ ist es, einen engagierten Beitrag zur Stärkung des Standorts Beckum und zur erfolgreichen Weiterentwicklung der Stadt zu einem modernen und lebendigen Wirtschaftszentrum mit hoher Lebensqualität zu leisten.

Die Finalisten

v.l.n.r: Gisela Caspers, Vorstandsassitentin VR-BAnk Nordeifel eG, Katja Hildebrand, Vorstandsvorsitzende MICAS AG, Thomas Rademacher, Geschäftsführer Rademacher GmbH, Katrin Koy, Holzmanufaktur Liebich GmbH, Dirs Stocksmeier, Vorstandsvorstitzender Unternehmen für die Region e.V

Finalist: VR Bank Nordeifel eG aus Schleiden

Die VR-Bank Nordeifel eG ist eine Genossenschaftsbank in der Stadt Schleiden in Nordrhein-Westfalen. 43% der Nordeifler Bevölkerung des Kreises Euskirchen ist Mitglied der VR-Bank Nordeifel eG. Mit 24.078 Mitgliedern bei 52.000 Einwohnern ist sie die stärkste Personengemeinschaft der Region. Das Unternehmen engagiert sich seit Jahren für seine Mitarbeiter und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hierdurch entstand die Idee aus dem Kreis einen familienfreundlichen Kreis Euskirchen zu machen. Im März 2012 wurde das Netzwerk Familie und Beruf Kreis Euskirchen gegründet. Auf die Initiative des Unternehmens hin, werden in der Region verschiedene generationsübergreifende Genossenschaften gegründet, welche die Gemeinschaft vor Ort stärken. Darüber hinaus wurden bislang sechs neue Genossenschaften ins Leben gerufen: Familiengenossenschaft Nordeifel-Euskirchen, Eifel Energiegenossenschaft, Streuobstwiesen Netzwerk Nordeifel, Frischegenossenschaft eG, Schülergenossenschaft und Pro Wildenburg eG. 2015 soll außerdem eine Seniorengenossenschaft dazu kommen.

Finalist: MICAS AG aus Oelsnitz

Im September 2009 haben sich in der familienfreundlichen MICAS AG die Türen des Firmen-Kindergartens „Pfiffikus“ geöffnet. Das Unternehmen engagiert sich in besonderer Weise für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Insgesamt verfügt der Kindergarten über 20 Plätze für Firmenangehörige sowie – bei freien Kapazitäten – auch für Dritte. Betreut werden die Kinder von vier Erzieherinnen in Kleingruppen. Besonders gefördert wird neben der sprachlichen und technisch-naturwissenschaftlichen Bildung auch die musikalische Ader der Kinder. In der eigenen Firmenkantine „MICASA Culinaria“ wird täglich frisches, ernährungs- und Kind bewusstes Essen für den Kindergarten und Hort zubereitet. Mit Eröffnung des MICAS-Kinderhorts „Pfiffilino“ 2013 entstand eine Kinder-Ganztagesbetreuung für die Zeit nach dem Schulschluss. Die Kinder werden dabei von den Schulen abgeholt und zum Pfiffilino gebracht. Die firmeneigene Kinderbetreuung des kleinen Unternehmens entlastet seine Mitarbeiter in vielerlei Hinsicht und unterstützt sie dabei Familie und Beruf miteinander zu vereinen.

Finalist: Radermacher GmbH aus Meckenheim

2010 gründeten der Unternehmer Thomas Radermacher, der Bürgermeister der Stadt Meckenheim und der Direktor der Geschwister-Scholl Hauptschule gemeinsam die Meckenheimer Garantie für Ausbildung (MeGA). Bei der Initiative unterzeichnen Hauptschüler der Geschwister-Scholl Hauptschule in Meckenheim, die Stadt Meckenheim und Unternehmen der Region gemeinsam einen Ausbildungsvertrag, welcher den Schülern einen Ausbildungsplatz nach ihrem Schulabschluss in der Region garantiert. Jeder Schüler der 9. Klasse der Geschwister-Scholl Hauptschule erhält die Möglichkeit an dem Projekt teilzunehmen. Die Schüler verpflichten sich im Gegenzug beispielsweise ihren Hauptschulabschluss ohne mangelhafte Noten zu absolvieren und am Berufsförderunterricht teilzunehmen. Durch die Kooperation wird der Schulstandort gestärkt und die Motivation der Schüler wird gesteigert. Die Betriebe aus Meckenheim erhalten gut vorbereitete und geeignete Auszubildende, sodass sich mittlerweile bereits circa 30 Unternehmen an dem Projekt beteiligen. 2014 konnte somit die 5. Generation von Schülern ihre Verträge innerhalb der MeGA unterschreiben.

Finalist: Holzmanufaktur Liebich GmbH aus Regen

Die Holzmanufaktur Max Liebich GmbH bietet Asylbewerbern die Möglichkeit während des Asylantragsprozesses eine Ausbildung zum Holzmechaniker in ihrem Unternehmen zu absolvieren. Mit der Integration in das Berufsausbildungswesen haben die jungen Menschen eine berufliche Perspektive in Deutschland und können gleichberechtigt einen Beruf an einer staatlichen Berufsschule erlernen. Das Unternehmen beauftragt betriebsintern einen fachlichen und sozialen Mentor für die Auszubildenden, welcher ihnen bei fachbezogenen Problemen und über sprachliche Barrieren hinweg hilft. Durch das Personalmanagement wird die Integration in das administrative System koordiniert, dazu gehören neben dem Umzug in ein Asylbewerberheim der Region auch die Kontaktaufnahme mit der Krankenkasse und der Bank. 2014 haben zwei Asylbewerber bei der Holzmanufaktur Max Liebich GmbH einen Ausbildungsvertrag unterschrieben.

Finalist: Dr. Ausbüttel & Co. GmbH aus Witten

Die Dr. Ausbüttel & Co. GmbH hat eine enge Partnerschaft mit dem Verein Ruhrtal Engel aufgebaut. Bei diesem engagieren sich Ehrenamtliche in einer Wittener Kinder- und Jugendküche und kochen für Kinder aus einkommensschwachen Familien oder helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Gemeinsam entstand die Idee, dass alle 110 Mitarbeiter der Dr. Ausbüttel GmbH im Jahr 2014 die Kinder- und Jugendküche tatkräftig unterstützen. Drei Einsätze über je drei Stunden für jeden Mitarbeiter – insgesamt also rund 1.000 Stunden – um den Ehrenamtlichen in der personell unterbesetzten Einrichtung zu helfen. Insgesamt sind drei Tage in der Woche jeweils zwei Mitarbeiter des Unternehmens in der Einrichtung über Mittag aktiv gewesen. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen den Verein über Sach- und Geldspenden, organisiert z.B. einen Bus für Ausflüge mit den Kindern oder hilft spontan bei Sonderaktionen, z.B. beim Umgraben des Gartens der Einrichtung, in dem Gemüse angepflanzt wird. Die Mitarbeiter von Dr. Ausbüttel & Co. GmbH lernen während des Projekts über den Tellerrand zu schauen und pragmatisch die Ärmel hochzukrempeln. Darüber hinaus macht jeder einzelne spannende Lernerfahrungen.

 

 

Rückblick auf Preisträger und vergangene Preisverleihungen